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✨ INTERVIEW ZUM THEMA B2B-UPCYCLING

REFISHED-Gründerin Sissi Vogler-Wagner mit pinker Tasche aus Fischfuttersack vor dem Schaufenster des REFISHED Stores in Wien

REFISHED-GRÜNDERIN SISSI VOGLER-WAGNER PLAUDERT AUS DEM UPCYCLING-KÄSTCHEN

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„Überall fällt Müll an bzw. wird Müll anfallen. Die Frage ist aber, zum einen wie wir diesen Müll gleich von Beginn an minimieren können und zum anderen was wir aus dem Müll Sinnvolles machen können.“
(Sissi Vogler-Wagner, REFISHED-Gründerin)
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Was bedeutet für dich Upcycling?
Im Gegensatz zum Recycling wird beim Upcycling das Grundmaterial nicht zerstört, sondern direkt zu einem neuen Produkt verarbeitet. Was mir daran besonders gefällt, ist, dass der Schritt des Einschmelzens oder Zerlegens wegfällt. Spannend finde ich, dass man im Grunde unendlich upcyceln kann: Man findet immer Material bzw. Produkte, die man vor der Müllhalde oder dem Single Use retten kann, um etwas Brauchbares und (wieder) Wertvolles daraus zu machen.

Woher kommt deine Leidenschaft für das Upcycling-Thema?
Eigentlich von meiner Mutter Isolde, die uns schon früh vorlebte, was man aus vermeintlich alten Dingen zaubern kann. Ihr Ideenreichtum war unbegrenzt. Aus einem alten Lieblingspulli wurde eine Hülle für die Wärmeflasche gemacht, Omas Sessel wurde mit einem alten, aber toll gemusterten Vorhang bezogen. Das hat mich immer schon inspiriert und begeistert.

Wann hast du REFISHED gegründet und wofür steht die Marke?
2012 habe ich mein Label gegründet, nachdem ich auf einer Asienreise alte Fischfutter- und Zementsäcke in tollen Farben als Basismaterial entdeckt hatte. Zentral ist für uns Upcycling: Wir verarbeiten Material, das sonst weggeworfen würde. Dazu kommen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung bei unserem Partner Rehab Craft Cambodia. Bei uns erfährt man außerdem am Produkt, wer es genäht hat und wo es produziert wurde.

Was waren deine ersten B2B-Upcycling-Kooperationen?
Das Bank Austria Kunstforum ist 2019 auf uns zugekommen mit der Bitte um Ideen zur Verwertung seiner wechselnden Ausstellungsfahnen. Sie wollten diese nicht mehr länger einfach wegschmeißen. Wir lieben Upcycling – egal aus welchem Material! Also haben wir unsere kleine, aber feine Fahnenkollektion #FLAGS für das Kunstforum entworfen. Wenig später kam das Belvedere Wien mit einem ähnlichen Wunsch auf uns zu. Auch hier haben wir ein paar feine Stücke aus deren gebrauchten VIENNA PRIDE Fahnen entworfen.

Möchtest du den B2B-Upcycling-Zweig weiter ausbauen und wenn ja, warum?
Der Ausbau des B2B-Zweiges ist eines meiner Ziele für die nächsten Jahre. Wir sind auf der Erde an einem Punkt angelangt, wo wir extrem auf unsere Ressourcen aufpassen müssen. Mehr und mehr steigt das Bewusstsein hierfür auch bei Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Überall fällt Müll an bzw. wird Müll anfallen. Die Frage ist aber, zum einen wie wir diesen Müll gleich von Beginn an minimieren können und zum anderen was wir aus dem Müll Sinnvolles machen können. Ein Vorzeigebeispiel hierfür ist die Schärdinger Mehrwegflaschen-Kampagne, bei der wir als Taschenproduzent mitwirken durften.

Was war das Spezielle an der Schärdinger-Kampagne?
Die Weiterverwendung des Materials war von Anfang an mitgeplant: Im Voraus wurde bereits beschlossen, dass aus dem Riesenplakat am Westbahnhof Taschen upcycelt werden, die es bei einem Gewinnspiel zu gewinnen gab. Ich hoffe, dass sich viele Firmen davon inspirieren lassen und das Ende einer Kampagne gleich mitdenken!

Mit welchen gebrauchten Materialien hast du bereits Erfahrung?
Wir haben bereits einige interessante Materialien zu stylischen Taschen verarbeitet: neben den PP-Lastensäcken (Fischfutter- und Zementsäcken) Outdoorfahnen von Museen, Outdoor-Planen, Eventzelte, Baumwollreste, Lederreste und mehr.

Welche Materialien eignen sich besonders gut zum Upcycling? Was eignet sich gar nicht?
Festes, strapazierfähiges Material wie z. B. Werbeplanen, Banner oder Zelte eignet sich besonders gut zur manuellen Weiterverarbeitung. Je großflächiger, desto besser. Optisch ein Plus ist, wenn das Material an fast jeder Stelle ein Design, einen Schriftzug oder einen Farbwechsel hat, denn genau das macht den Charme eines Upcycling-Produkts aus: Dass jedes Stück ein Unikat ist und anders aussieht.
Schlecht bzw. gar nicht hingegen eignen sich dünne Stretch-Polyester-Materialien wie z. B. gebrandete T-Shirts. Man muss sich die Materialien aber immer ansehen und dann abwägen.

Apropos Branding – können eure B2B-Kund:innen ihr Logo anbringen lassen?
Selbstverständlich. Da gibt es einige Optionen von aufgenäht bis angehängt, und die Kund:innen können sich für eine davon entscheiden.

Wo upcycelt ihr das Material von Business-Kund:innen aus Österreich?
Um Transportwege möglichst gering zu halten, produzieren wir immer dort, wo das Basismaterial als Müll anfällt, also in diesem Fall in Wien. Wir arbeiten hier mit integrativen Betrieben zusammen, zum Beispiel mit Schnittbogen und Wien Work.

Wo soll die Reise hingehen?
Unser Ziel ist es, dass 30 % unseres Umsatzes B2B-Projekte wie jene für Milka oder Schärdinger ausmachen. Wir möchten „DER Partner für B2B-Upcycling“ im deutschsprachigen Raum werden.

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